Hörscreening bei Neugeborenen

„Wie gut sind die Ohren meines Babys?“ Diese Frage stellen sich viele frischgebackene Eltern. Bei Neugeborenen ist die Früherkennung einer Hörstörung sehr wichtig, denn Kinder, die nichts hören, lernen nur schwer oder gar nicht sprechen. Da sich die Kleinen nicht bemerkbar machen können, machen sich die Folgen eines nicht erkannten Hörverlusts erst mit der weiteren Entwicklung des Kindes bemerkbar. Je früher die Hörstörung aber erkannt wird, desto besser kann dem Nachwuchs mit moderner Hörtechnologie geholfen werden.

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Auf 1.000 Neugeborene kommen etwa ein bis drei Babys mit Hörstörungen, die eine Behandlung benötigen. Meistens liegt die Ursache hierfür in den Genen und die Hörprobleme wurden vererbt. Doch auch Infektionen wie Mumps oder Masern sowie Sauerstoffmangel oder Alkoholmissbrauch während der Schwangerschaft können eine Hörminderung auslösen. Bei manchen Fällen ist gar keine Ursache feststellbar.

Entspannte Vorsorge dank gesetzlicher Regelung

Bereits seit dem 1. Januar 2009 haben Neugeborene einen gesetzlichen Anspruch auf ein Hörscreening als Leistung der Gesetzlichen Krankenversicherung (GKV). In den meisten Kliniken wird das Hörscreening deshalb direkt nach der Geburt standardmäßig durchgeführt. Diese Untersuchung dauert nicht lange und ist für das Baby weder belastend noch schmerzhaft, da sie durchgeführt wird, während das Kind schläft. Falls Eltern erst später Auffälligkeiten bei ihrem Kind feststellen, können sie natürlich auch nach dem Klinikaufenthalt einen Facharzt für Phoniatrie und Pädaudiologie aufsuchen.

Ein Anhaltspunkt, an dem Eltern Hörprobleme ihres neugeborenen Kindes erkennen können, ist zum Beispiel, dass das Baby bei lauten Geräuschen nicht erschrickt und es sich durch Trösten der Eltern nicht beruhigen lässt. Bei älteren Kindern sollten Eltern aufmerksam werden, wenn die Kinder auf Geräusche nicht reagieren, nicht laut lachen und direkte Ansprache nicht verstehen.

Methoden zur Untersuchung

Es gibt zwei verschiedene Untersuchungsmethoden, die das Hörvermögen von Neugeborenen messen. Beim ersten Verfahren, der automatisierten Hirnstammaudiometrie (AABR), wird die Reaktion des Gehirns auf einen leisen Sondenton geprüft. Die Messung kann sowohl mit kleinen Elektroden an Stirn, Nacken und Wangenknochen durchgeführt werden als auch mithilfe eines Screening-Geräts, das über integrierte Elektroden verfügt. Ist eine Reaktion messbar, dann sind Mittelohr, Hörschnecke und Hörnerv funktionsfähig. Das zweite Messverfahren überprüft die Otoakustische Emissionen (OAE). Dabei wird ein Sondenton ins Ohr gesendet, worauf ein funktionsfähiges Gehör mit einem zweiten Ton als Antwort reagiert.

Obwohl diese beiden Methoden für das Hörscreening bei Neugeborenen eingesetzt werden, klären die Ergebnisse nicht abschließend, ob ein Kind wirklich eine Höreinschränkung hat. So kann zum Beispiel Fruchtwasser im Gehörgang eine Ursache für fehlerhafte Messergebnisse sein. Wird ein möglicher Hörverlust festgestellt, ist es deshalb besonders wichtig, weitergehende Untersuchungen bei einem Facharzt durchführen zu lassen. In jedem Fall sollte sofort gehandelt werden, damit dem Kind bestmöglich geholfen werden kann. Zum einen mit einem speziellen pädagogischen Umgang und zum anderen mit technischen Hilfen wie Hörsystemen, die bereits ab den ersten Lebenswochen eingesetzt werden können.

Weitere Informationen finden Sie auch in den Informationsmaterialien der Aktion Frühkindliches Hören der Deutschen Kinderhilfe.